Bodo Janssen kann wieder in Spiegel schauen

Bodo-Janssen-MIT

Bodo Janssen zu Gast bei der MIT Wildeshausen, hier mit Vorsitzendem Ingo Hermes

Bodo Janssen hat eine Vision. Irgendwann will er seinen Enkeln, mit ihnen im Lehnstuhl sitzend, Geschichten von glücklichen Menschen erzählen können. Heue ist der Unternehmer diesem Ziel nicht mehr so weit entfernt wie noch vor wenigen Jahren.

Normalerweise hält Janssen, Geschäftsführer von „Upstalboom“, eine der führenden Hotelketten an den Küsten von Nord- und Ostsee, seine Vorträge zum Thema „Wertschätzung von Mitarbeitern“ vor großer Kulisse bei Audi, Porsche, Bund und Polizei.

Am Montagabend stand er vor „nur“ knapp 200 Gästen auf Gut Altona. Auf Einladung der MIT Wildeshausen hatte es Vorsitzender Ingo Hermes durch persönlichen Kontakt arrangieren können, den angesagten und prominenten Redner in der Kreisstadt begrüßen zu können. Hintergrund: Janssen ist Geschäftsführer eines Unternehmens der Top-Five-Arbeitgeber in Deutschland. Das macht neugierig.

Hermes zeigte sich gespannt, wie es um „Sozial-Romantik“ und Realität bestellt ist.

Als Janssen 2005 nach reiflicher Bedenkzeit in das elterlicher Unternehmen eintrat, kam der Tod seines Vaters 2007 durch einen Flugzeugabsturz viel zu schnell und überraschend. Bodo Janssen musste handeln und das Unternehmen führen. Er tat das, was alle Unternehmensführungen tun, er verschaffte sich ein Controlling, maß das Wachstum, investierte und vergrößerte die Firmengruppe.

„2010 habe ich zufrieden in meinem ,Elfenbeinturm‘ in Emden  mit großem Schreibtisch im obersten Geschoss gesessen“, sagte Janssen.

Bei damals rund 300 Mitarbeitern und nur einer Halbtagskraft in der Personalführung, sah Janssen Handlungsbedarf. Ein neuer Mitarbeiter kam mit neuen Ideen. Ein halbes Jahr wurden die einzelnen Häuser besucht und mit Mitarbeitern gesprochen. Eine Zufriedenheitsumfrage unter den Angestellten folgte: Das Ergebnis aus Sicht Bodo Janssens war niederschmetternd, denn unter dem Strich wünschten sich die Mitarbeiter ihn als Chef weg. „Gar nicht mehr zufrieden blickte ich in den Spiegel und ich sah plötzlich einen hässlichen Frosch.“

Guter Rat war teuer. Janssen ergatterte den letzten Platz im Klosterseminar von Pater Anselm. Durch ein Hörbuch-Geschenk einer Bekannten hatte er von dem Pater gehört. Regeln der Benediktinermönche, Meditation und Momente der Selbstreflexion beherrschten den Alltag neben gemeinschaftlichen Seminaren, die zur Selbstreflexion führten. Janssen: „Heute weiß ich, nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen.“

Nach der kurzen Klosterzeit präsentierte Janssen die Umfrageergebnisse in aller Offenheit  den Mitarbeitern und leitete damit einen Umkehrprozess ein. Er erstellte ein Lehrprogramm, entsandte seine 70 leitenden Mitarbeiter ins Klosterseminar. Ein langwieriger Prozess in der Unternehmensführung setzte ein.

Schließlich wurde ein neues zwölf Punkte Leitbild zusammen mit den Mitarbeitern in einem Workshop erarbeitet. „Achtsamkeit“ war der wichtigste Punkt.  Eine neue Kultur mit gemeinsamen Werten entstand. Resultat war eine Stärkung und Freisetzung von Kräften im Unternehmen, die den Nettoumsatz von 18,5 Mio. in 2009 auf 42 Mio. Euro in 2013 emporschnellen ließen.

Heute sieht Janssen seine Mitarbeiterführung als Dienstleistung unter dem Vorzeichen des Erkennens von Stärken seiner Mitarbeiter, die oftmals nur geweckt werden müssen. Wie zum Beispiel bei einem Koch, der innerhalb von zwei Jahren zum Chef des Controllings aufstieg.

Mit Schulprojekten in Ruanda und jüngst dem Vorhaben, den Kilimandscharo mit Auszubildenden zu besteigen, macht der Unternehmer Schlagzeilen. Sinkender Krankenstand, Zufriedenheit und Wir-Gefühl sowie Engagement sind die Folgen Die Medien geben sich die Klinke in die Hand. Letztendlich ein kostenloses Marketing vor dem Hintergrund einer Wertschöpfung mit Wertschätzung der Mitarbeiter.

Ausgezeichnet wurde auch der Film mit Firmenportrait „Der Upstalsbooms Weg – Seine Geschichte“, der mittlerweile sogar ins Chinesische übersetzt worden ist.

Damit kommt Bodo Janssen seinem Ziel ein großes Stück näher, irgendwann in seinem Zimmer mit dem Lehnstuhl zu sitzen und seinen beiden Enkeln Geschichten von glücklichen Menschen zu berichten…..


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