Dritte Generation Windmühlen kommt

Fast wie auf einem Weltraumbahnhof sieht es auf der Baustelle aus.

Fast wie auf einem Weltraumbahnhof sieht es auf der Baustelle aus.

Windkraft sorgt für umweltfreundliche Energie und kommt langsam aus den Kinderschuhen heraus. Das bedeutet für Betrieberpioniere mit der technischen Entwicklung stand zu halten. Nach Pilotanlagen mit Flügelabbruch, Fundamentproblemen und andere Kinderkrankheiten sind die neuesten Anlange heute nicht mehr mit den ersten Gittermasten zu vergleichen, auf denen so genannte Schnellläufer Energie erzeugen.

Herwig Garms, Geschäftsführer der Windpark Iserloy GmbH in der Gemeinde Dötlingen im Landkreis Oldenburg blickt aus diesem Grunde jetzt schon auf die dritte Generation von Windmühlen. Vier der insgesamt fünf Windkraftanlagen im bauerlichen Besitz werden nun  durch leistungsfähigere ersetzt. „Repowering“ ist das Stichwort. Die vier V 80Windnalgen  des dänischen Herstellers Vesta stammen aus den Jahren 2001 und 2002. Eine Fünfte wurde Mühle V 90. wurde erst 2009 aufgestellt.

„Wir erhalten für die Nutzung der Anlagen 20 Jahre 9 Cent pro Kilowattstunde. Da bleiben für die Altanlagen nicht mehr so viele Jahre der gesicherten Förderung übrig. Nach den 20 Jahren gibt es nur noch 6 Cent“, so Garms.

Für das Repowern sprechen aber auch andere Gründe: E in neues Ausschreibemodell, das ab 2017 entsprechend der Novelle des Energieeinspeisegesetzes (EEG) gilt, ist der Grund für die Windparkmitglieder Herwig Garms, Johannes Sassen-Stolle, Friedel Koldeweyh, Friedrich Hollmann und Dierk Garms, jeder hält 20 Prozent des Windparks, jetzt zu handeln und nach den alten Vorgaben die vier Anlagen zu erneuern.

Mit dem neuen Ausschreibemodell soll das System der festen Einspeisevergütung ersetzt werden. Würden die Betreiber bis 2017 warten, müssten sie entsprechende Gutachten und Baugenehmigung sowie einen von uns bestimmten Preis für die Kilowattstunde vorlegen. „Ist das vorgesehen Kontingent neuer Anlagen für das Jahr erschöpft, kann es passieren, das wir hinten runterkippen und unsere Auslagen umsonst waren“, betonte Garms. Von dem neuen Modell werden nach Meinung Garms nur noch die vier großen Energieversorger etwas haben. „Für uns kleinere Betreiber wird das Ausschreibemodell nicht mehr leistbar sein.“

Gondel und Turm der alten V 80-Anlage warten auf den Abtranzport nach Polen

Gondel und Turm der alten V 80-Anlage warten auf den Abtranzport nach Polen

Auch eine Änderung des Flächennungsplanes für die Windenergienutzung in der Gemeinde Dötlingen und damit Gesamthöhen von 200 Metern kommt für die Iserloyer zu spät. Bislang ist der Flächennutzungsplan für den Windpark Haidhäuser, ein Projekt der Volksbank Wildeshauser Geest, entsprechend geändert worden. „Für unseren Bereich ist noch nicht einmal ein Antrag gestellt. Von der Änderung haben wir also nichts, wenn wir nicht in das Ausschreibungsmodell wollen.

Deshalb entschlossen sich die Mühlen-Eigner dazu, jetzt tätig zu werden, zumal letztmöglich in diesem Jahr gebrauchte Windkraftanlagen nach Polen verkauft werden können. „Die Politik im Nachbarland lässt das Aufbauen der gebrauchten Anlagen nur noch in 2015 zu. Wir haben alle vier Windmühlen an polnische Betreiber verkauft. Die Windräder werden sich künftig in Stettin drehen“, zeigte der Garms auf.

Die neuen vier Windräder V 112 bringen eine weitaus größere Windausbeute wie die Vorgängermodelle. Zwar sinkt die Nabenhöhe von 100 Metern auf 94 Meter,  dafür ist aber der Flügeldurchmesser 112 Meter groß. Insgesamt also 150 Meter von der Flügelspitze bis zum Boden. Zum Vergleich die verbleibende eine Altanlage V 90 hat einen Flügeldurchmesser von 90 Metern.

Die neuen Modelle können 3,3 Megawatt gegenüber zwei Megawatt der alten Windmühlen erzeugen. Dabei drehen sich die Windräder langsamer als die alten Modelle, nämlich mit 12,8 Umdrehungen pro Minute gegenüber 18 der Altmühlen. Das sorgt insgesamt für ein ruhigeres Bild in der Landschaft.

Das alles hat seinen Preis.  Eine Anlage zieht Investitionskosten von 3,5 Mio. Euro nach sich. Eine Geldanlage, die sich erst nach rund 15 Jahren auszahlt. Garms: „Wir investieren hier heute quasi für unsere Kinder.“

Der Zeitplan sieht den Abbau der vier Altanlagen bis Ende Oktober vor. Dann sollen auch die ersten beiden neuen Windanlagen  fertig sein. Die beiden anderen  Windmühlen werden erst im neuen Jahr geliefert. „Die Nachfrage ist groß. Früher besteht keine Liefermöglichkeit. Für uns zwar ein Verlust, aber den müssen wir hinnehmen“, meinte Garms abschließend.


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