„Gildeschuh“ auf alten Leisten gezogen

Schumacherin Beate Albes und ihr Mann Thorsten präsentieren den „Gildeschuh“.

Mit welchem Schuhwerk könnten die Mitglieder der Wildeshauser Schützengilde nach ihrer Gründung im Jahr 1403 wohl unterwegs gewesen sein? Wie sah überhaupt die Schuhmode im 15. Jahrhundert aus? Antworten auf diese Fragen hat die Wildeshauser Schuhmacherin Beate Albes gefunden.

Vor einem Jahr recherchierte die Schuster-Altgesellin in Büchern und im Netz. Natürlich gibt es keine bekannte Überlieferungen von Schuhskizzen der Gildesoldaten aus dieser Zeit. „Ich haben viele Bücher gewälzt, aber Hinweise auf Schuhe gerade für Schützenbrüder habe ich keine gefunden“, erklärte Beate Albes.

Wie so oft half hier aber der Zufall. Eine Berufskollegin aus Wardenburg hatte noch einen Leisten auf dem Dachboden in ihrer Sammlung. „Der stammt aus dem 15. Jahrhundert“, so Beate Albes. Weitere Nachforschungen ergaben, dass die Schuhe damals eine breite Spitze hatten. Einen so genannten Entenschnabel, der in Mode war.

 „Im März hatten ich alle wichtigen Fakten zusammen. Es entstand ein Maßschuh für die Füße meines Mannes Thorsten.“ Herausgekommen ist ein schmucker Lederschuh, ein Unikat mit besagter breiter Schuhspitze. Versehen mit einem angehängten Papagoy und einer Ledersohle die die Umrisse des Papagoys und als eine Art Schoner der Ledersohle die Silhouette des Historischen Rathauses zeigen.

Thorsten Albes probierte den Schuh vor Pfingsten auf der Straße erstmals aus. „Passt wie angegossen“, freute er sich und fand das Schuhwerk durchaus bequem. Aber die Freude währte nicht lange, denn das Einzelpaar musste er schnell wieder ausziehen. Darauf drängte die Schuhmacherin…

Nun dient der „Gildeschuh“ in der Schuhmanufaktur von Beate Albes als Ausstellungsstück. „Ein Schuh von der Stange ist er eben nicht“, sagte Beate Albes. Dafür ist die Zeit, aber auch der Materialaufwand zu groß. „Aber ein schönes Anschauungsobjekt, längst vergangener Schuhmode aus der Anfangszeit der Gilde, ist der Schuh allemal.

Und wer mehr über das Schuhhandwerk wissen möchte oder sich ein solches Maßschuhpaar näher ansehen möchte, der dürfte bei Beate Albes nicht auf geschlossene Türen treffen.

Ihre Schuhwerkstatt befindet sich an der Sonnenstraße 1A und ist an den Werktagen bis 18 Uhr geöffnet.

 

Nordwest Zeitung: 


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